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14.09.2009

Baugeldzinsen vorerst noch tief

Die Finanzmärkte senden seit Wochen auf den ersten Blick widersprüchliche Signale: Die Aktienkurse steigen, die Renditen von Anleihen sinken und der Goldpreis steigt auf Rekordniveau. Knapp zwölf Monate nach dem Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems sehen die meisten Analysten die Konjunktur auf festem Erholungskurs, die Stabilität der Banken scheint wiederhergestellt und der Risikoappetit der Anleger hat wieder deutlich zugenommen. Die Notenbanken und die Politik haben also ganze Arbeit geleistet und mit einer nie dagewesenen Kombination an geldpolitischer Liquiditätsversorgung und staatlichem Budgeteinsatz den Patienten aus dem kurzzeitigen Koma geholt, wiederbelebt und damit die Lage vorerst stabilisiert. Aber was sagen uns die Bewegungen an den Märkten? Sind die sinkenden Renditen von Anleihen nur Ausdruck einer dramatischen, von den Notenbanken verursachten Liquiditätsschwemme, die irgendwie angelegt werden muss? Oder spiegeln die tiefen Zinsen die Erwartung einer langfristigen Stagnation oder sogar Deflation aus? Was erwarten sich die Investoren dann aber von den inzwischen wieder stark gestiegenen Aktien, deren Bewertungen eine stramme Konjunkturerholung immer mehr einpreisen? Wer treibt dann gleichzeitig den Goldpreis auf über 1.000 Dollar, wenn es doch keine Inflation gibt und die Konjunktur sich erholt? Es wird klar, dass derzeit viele Denkschulen am Markt unterwegs sind: die Konjunkturoptimisten, die die Finanzkrise als weiteres Schlagloch in der Börsengeschichte abtun und Aktien kaufen. Die Wachstumszweifler, die weder Wachstum noch Inflation sehen und ein Japan-Szenario (schon 18 Jahre tiefe Zinsen und kein Wachstum) auf die Welt zukommen sehen und daher langlaufende Anleihen kaufen. Und die Ängstlichen, die weder Regierungen noch Notenbanken trauen und Gold, kurzfristige Staatsanleihen und Unternehmensanleihen bester Qualität horten. Eines steht aber fest: Baugeldzinsen von unter 4% für Laufzeiten bis zu 10 Jahren sind historisch günstig und bieten Immobilienkäufern die Chance, aus der Krise Vorteile zu ziehen. Derzeit erwartet niemand, dass die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank kurzfristig ihre Fast-Nullzins-Politik aufgeben. Das hält auch die längeren Laufzeiten tief. Wenn diese Annahme anfängt zu kippen, wird auch das Rückschlagpotential am Anleihemarkt und damit auch bei den Baugeldzinsen deutlich zunehmen.
Vor diesem Hintergrund ist es daher riskant, auf sinkende Baufinanzierungskonditionen zu spekulieren. Wir empfehlen, die Zinsrückgänge der letzten Wochen konsequent zu nutzen und damit Kalkulationssicherheit zu erreichen. Der Wettbewerb unter den Banken führt weiterhin zu sehr attraktiven Konditionen über alle Laufzeiten. Besonders wichtig in diesen volatilen Marktphasen ist die Wahl der richtigen Finanzierungsstruktur in Bezug auf Laufzeiten, Tilgungsmöglichkeiten und Einsatz von Fördermitteln. So können Kombinationen aus 5-jährigen und 15- oder 20-jährigen Zinsbindungen sehr sinnvoll sein, weil sie hohe Kalkulationssicherheit mit niedrigeren monatlichen Belastungen und Flexibilität bei der zukünftigen Rückzahlung kombinieren. Gefragt sind derzeit auch sogenannte Volltilger-Darlehen, die einen durchgehenden Zinssatz bis zur endgültigen Rückzahlung bieten. Die höhere festgelegte Tilgung führt dabei aufgrund der steilen Zinskurve zu Konditionsvorteilen. Auch sogenannte Kombi-Darlehen werden derzeit gerne gewählt, da sie von den tiefen Geldmarktzinsen profitieren. Der Kauf einer Immobilie zur Eigennutzung erscheint gerade in diesen bewegten Zeiten die beste und sicherste Anlage des Eigenkapitals zu sein und noch dazu die langfristig attraktivste Altersvorsorge. Wir empfehlen daher, in dieser Phase eher mehr Eigenkapital einzusetzen und auch höhere Tilgungen zu vereinbaren, da das Besparen der eigenen Immobilie im Gegensatz zu vielen Anlageformen hohe Kalkulationssicherheit bietet.
Tendenz
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: aufwärts

 Robert Haselsteiner
Gründer und Mitglied des Vorstands der Interhyp AG  



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